Cleo's Geschichte

Anfang April 2005 fuhr ich um 8:00 Uhr morgens "unseren" Berg runter. Neben der Rossfeldstraße, an einer Stelle, wo ca. zwei Kilometer lang keine Häuser stehen, sondern nur Waldwege die Straße kreuzen, saß ein Golden Retriever (?) im Schnee. Ich dachte, der Hund ist voraus gelaufen und sein Herrchen oder Frauchen ist noch zwischen den Bäumen auf dem Wanderweg ... und hoffentlich bleibt er so brav da sitzen und läuft nicht auf die Straße...

Um ca 14:30 Uhr fahr ich auf dem Heimweg den Berg hoch - und seh den Hund immer noch dort sitzen! ! !

Warnblinker an, angehalten ... ah, im Handschuhfach liegt eine Kaustange... . Ich steige aus, rede den Hund ruhig an und halte ihm das Leckerli entgegen. Der Hund weicht zurück, schaut um sich, überlegt. Dann fasst er schnell nach dem Fressen und will sofort wieder Abstand zwischen uns bringen. Aber ich habe schnell genug reagiert und halte ihn "am Kragen". Er ist sehr fett und mit aller Kraft schaffe ich, ihn in das Auto zu heben - er hängt wie erstarrt in meinen Armen und bewegt sich nicht mehr. Kurz denke ich an meine Autositze - egal!

Zu Hause: Patrick hilft mir - Gott sei Dank - den völlig starren Hund ins Haus zu tragen.
Wir bieten ihm Wasser und Fressen an - keine Reaktion. Das Einzige, was von diesem Hund kommt, ist ein unglaublicher Gestank nach Müllhalde. Nachdem an unseren Wanderwegen keine Mülleimer aufgestellt sind (warum eigentlich?), überlege ich erstmals, ob dieser Hund wohl von seinem "Zuhause" diesen Gestank im Fell hat. Jedenfalls - als wir ihn duschen, läuft sofort dunkelbraune Brühe aus seinem Fell. Beim Abtrocknen stelle ich fest, dass es sich um eine Hündin handelt, die, nach ihren Zitzen zu urteilen, vor kurzer Zeit Welpen gehabt hat.

Wenn ich die Hündin zum Pieseln raus lassen will, zittert sie wie Espenlaub. Sie liegt nur neben der Eingangstür und bewegt sich kaum.
Irgendwann ziehe ich sie sanft aber unnachgiebig an der Leine mit raus. Sie kann sich kaum auf den Beinen halten! Kurz hockt sie sich zum Pieseln, geht aber sofort wieder hoch...Schmerzen beim Wasser lassen - Harnwegsinfekt? Ab zum Tierarzt!

Der ist empört über den Zustand des Hundes und gibt ihr mehrere Spritzen. Er ist Vorsitzender des Tierschutzvereines und fragt, was wir vor haben mit dem Hund?

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: als ich den Hund fand, dachte ich erstmal ans Tierheim. Wir hatten damals drei Hunde und ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich mal fünf Hunde haben würde und keinen von ihnen wieder her geben könnte! Aber nachdem ich den erbärmlichen Zustand dieses Hundes gesehen hatte, war klar: er bleibt erst mal bei uns.
Wir hatten gleich zu Beginn die Tierschutzvereine und Polizeidienststellen auf beiden Seiten der Grenze (wir wohnen wenige hundert Meter von der Grenze zu Österreich) angerufen und den Hund im Regionalradio gemeldet - niemand hat ihn vermisst!

Nach kurzer Zeit war klar: wir hätten alles getan, damit der Besitzer den Hund nicht zurück bekommt!
Cleo bestand eigentlich nur aus Angst! Wenn man sich ihr näherte, zitterte sie. Wenn man sich schnell bewegte, zuckte sie zusammen. Sie kannte kein Hundefutter; nahm es auch nicht, wenn wir es ihr hin stellten und sie allein ließen. Nach mehreren Tagen - Cleo war soweit wieder gesund - bemerkte ich, dass sie sehnsüchtig uns beim Essen beobachtete. Als ich ihr eine Kartoffel reichte, kam sie freiwillig und nahm sie aus meiner Hand! Sie hat wohl von Essensresten gelebt.

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Nach einigen Wochen nahmen wir Cleo immer mal wieder an der Leine mit ins Wohnzimmer. Sobald wir sie ableinten, lief sie wieder auf ihre Decke neben der Eingangstür (auf eine Matratze stieg sie damals noch nicht!)
Nach Monaten kam sie manchmal von selbst und schaute vorsichtig ins Wohnzimmer - immer den "Fluchtweg" im Auge. Nach und nach wurde die Angst weniger.
Nach über einem Jahr holten wir eine Gardinenstange aus dem Keller - Cleo rannte, als ginge es um ihr Leben.

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Mittlerweile - nach über zwei Jahren - wird Cleo dreist und frech! Wir freuen uns, wenn sie ihre Schnauze direkt auf den Wohnzimmertisch neben Kekstellern platziert oder uns mit der Pfote anstupst, weil sie gestreichelt werden möchte.
Täglich genieße ich den Anblick der entspannt im Schlaf lächelnden Cleo.

Ausgesetzter Retriever- Zuhause gesucht und gefunden

Was für ein Glück, sie bei uns zu haben!

November 2008: Dreieinhalb Jahre teilen wir nun unser Leben mit unserer tollen, lieben Cleo - sie geht immer noch mit uns spazieren und besteht täglich auf ihren Streicheleinheiten. Natürlich immer, wenn es ihr gerade danach ist. Ansonsten schätzt sie zwischen den Mahlzeiten ausgedehnte Nickerchen.

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16.09.2010 - Wir mussten uns verabschieden. Cleo hatte immer wieder Gebärmutterentzündungen und hat immer häufiger das Gleichgewicht verloren und ist dann hingefallen. Wenn sie raus gegangen ist, hatte sie bis draußen dann vergessen, dass sie eigentlich pieseln wollte. Dann hat sie kurz überlegt, ist wieder rein gegangen - und dann ging es von vorne los. Entweder ihr ist dann draußen die Erleuchtung gekommen, oder der Bach ging halt in die Wohnung...

Alles Gute liebe Cleo - wir hoffen, Du hast Deinen geliebten Holmes auf Wolke Nr. Sieben getroffen ...

wahre Liebe - Retriever-Mix Cleo mit Irish Wolfhound Holmes Irisch Wolfhound und Golden Retriever; zwei Tierschutz-Hunde - Zuhause gesucht und gefunden